
Ein Website-Relaunch ist mehr als ein frisches Design. Es ist deine Chance, Technik, Inhalte und Nutzerführung auf den neuesten Stand zu bringen. Doch oft höre ich diesen Satz: „Wir haben gerade unsere Website neu gemacht – jetzt wollen wir uns um SEO kümmern.“
In dieser Reihenfolge wird es teuer. Nachträgliche SEO-Maßnahmen erfordern oft aufwendige Anpassungen am Design oder an der Navigation. In diesem Beitrag zeige ich dir, wie du deinen Relaunch von Anfang an richtig planst.
Warum ein Relaunch? Mehr als nur Optik
Ein vollständiger Neustart ist nicht immer nötig. Wenn deine Technik stabil ist, reicht oft eine inhaltliche Optimierung.
Ich empfehle dir einen Relaunch in diesen Fällen:
- Deine Website lädt auf Smartphones zu langsam.
- Dein Redaktionssystem (CMS) ist veraltet.
- Deine Zielgruppe oder dein Angebot haben sich verändert.
- Unklare Struktur: Deine Website ist über Jahre gewachsen. Besucher finden wichtige Informationen nicht mehr intuitiv.
- Technisches SEO-Defizit: Deine aktuelle Seite lässt dich Metadaten oder strukturierte Daten nicht flexibel pflegen.
- Wichtig ab 2025: Du musst die Vorgaben zur Barrierefreiheit (BFSG) prüfen.
Das Gesetz betrifft viele verbraucherbezogene Dienstleistungen und Online-Angebote wie Shops, Plattformen und digitale Services. Lass im Zweifel rechtlich prüfen, ob dein Angebot darunter fällt. Trotzdem empfehle ich dir die Umsetzung. Eine barrierefreie Website ist technisch sauberer. Suchmaschinen erfassen sie leichter. Ein Relaunch ist der ideale Zeitpunkt, um Kontraste, Schriftgrößen und die Bedienbarkeit per Tastatur zu optimieren.
Allein starten oder mit Unterstützung?
Jetzt hast du zwei Optionen: Du setzt alles selbst um – oder du holst dir Profis dazu. Mein Tipp: Hol dir Fachpersonen an die Seite, damit der Relaunch wirklich klappt.
Viele Webdesigner:innen bieten auch SEO an, aber die Qualität ist unterschiedlich. Ein/eine erfahrene/r SEO-Expert:in denkt an deine Zielgruppe, an Suchbegriffe und an deine Konkurrenz. Diese Infos sind wichtig, damit deine neue Website nicht nur funktioniert, sondern auch gefunden wird. Zudem kannst du sehr von den SEO-Erfahrungen profitieren, denn mit standardisierten SEO-Konzepten ist es heute nicht mehr getan.
Warum SEO-Expertise im Team den Unterschied macht
Meine Erfahrung: Viele Designer:innen und Entwickler:innen sind froh, wenn ein/eine SEO-Expert:in mit im Team ist.
Gerade bei Struktur, Navigation und Nutzerführung bringt SEO-Know-how klare Vorteile. Es beseitigt Unsicherheiten und sorgt dafür, dass alle im Team am selben Ziel arbeiten: eine Website, die deine Inhalte verständlich transportiert – und bei Google.
E-E-A-T: Beweise deine Glaubwürdigkeit
Google nutzt das E-E-A-T-Prinzip (Experience, Expertise, Authoritativeness, Trustworthiness) als Maßstab für Qualität. Auch KI-Systeme suchen nach Beweisen für deine Erfahrung.
Oft vernachlässigen Unternehmen aus Bescheidenheit den „Über mich“-Bereich. Das ist riskant. Besucher kaufen bei Menschen. Nutze diesen Bereich für Vertrauensaufbau.
Tipps für deine „Über mich“-Seite:
- Nutze ein professionelles, sympathisches Foto von dir.
- Beschreibe kurz deinen Werdegang und deine Qualifikationen.
- Nenne Referenzen oder zeige Kundenstimmen.
- Präsentiere Zertifikate oder Mitgliedschaften in Fachverbänden.
Verlinke von deinen Unterseiten kurz auf dieses Profil. Das signalisiert den Algorithmen: Hier schreibt ein:e Expert:in mit echter Erfahrung. Das schafft Vertrauen bei Menschen und in der KI-Suche.
Themencluster statt dünner Inhaltslisten
KI-Systeme wie ChatGPT oder Google AI Overviews verarbeiten Informationen in Zusammenhängen. Sie suchen nach Themen-Autorität.
Plane deine Inhalte in Themenclustern, wenn das Thema umfangreich ist.
Erstelle eine zentrale Hauptseite (Pillar Page) für den Überblick. Verlinke von dort auf vertiefende Unterseiten (Cluster Content). Verlinke diese wieder zurück zur Hauptseite.
Ein Beispiel:
- Hauptseite: „Photovoltaik für Privathäuser“.
- Unterseiten: „Kosten & Förderung“, „Wartung & Reinigung“, „Rechtliche Vorgaben“.
Wichtig für kleine Websites: Vermeide unnötige Verschachtelungen. Fasse kurze Themen auf einer Seite zusammen. Eine flache Struktur verbessert die Nutzerführung. Nutze Cluster nur bei echter Informationstiefe. Künstlich aufgeblähte Strukturen verwirren deine Besucher.
Vermeide automatisch generierte Kategorieseiten mit reinen Linklisten. Google wertet dies oft als „Thin Content“ (dünner Inhalt) ab. Erstelle stattdessen echte Themenseiten mit hilfreichen Texten.
Technik: Was Laien über INP wissen müssen
Ein wichtiger Faktor für die Nutzererfahrung ist die Geschwindigkeit. Ein entscheidender Wert ist der INP (Interaction to Next Paint). Er misst die Reaktionszeit deiner Website bei einem Klick.
- Unter 200 ms: Das gilt als gut.
- Über 500 ms: Hier besteht Verbesserungsbedarf.
Du kannst das selbst testen. Nutze das kostenlose Tool „PageSpeed Insights“. Wichtig: Nutze die mobile Auswertung zuerst. Die meisten Zugriffe erfolgen mobil. Wenn dein INP-Wert hoch ist, blockieren oft zu viele Skripte die Seite. Ein kompletter Relaunch nur wegen der Geschwindigkeit wäre oft zu drastisch. Meist hilft eine gezielte technische Optimierung. Ein Relaunch bietet jedoch die Gelegenheit, technischen Ballast konsequent abzuwerfen.
Strukturierte Daten: Dein direkter Draht zur KI
Suchmaschinen lesen deinen Text. Strukturierte Daten (Schema.org) helfen ihnen beim Verstehen. Das sind Code-Schnipsel im Hintergrund. Sie sagen der KI explizit: „Das hier ist ein Preis“ oder „Das hier ist eine Anleitung“.
Damit erhöhst du die Chance auf „Rich Snippets“. Das sind hervorgehobene Suchergebnisse wie Sterne-Bewertungen oder FAQ-Boxen. KI-Modelle lieben Fakten und klare Strukturen. Diese Daten sind für deine Sichtbarkeit unverzichtbar.
Exkurs: Wie sieht eine gute Website Struktur aus?
Plane eine Website Struktur, die sich leicht erfassen und bedienen lässt. Die Navigation sollte klar benannt und leicht verständlich sein. Derlei Besucher:in sollte immer erkennen können, wo er/sie sich gerade befindet bzw. wie er/sie zurückkommt. Ermögliche es dem/der Besucher:in deiner Website, jederzeit den Buchungs- bzw. Kaufprozess zu starten oder Kontakt mit dir aufzunehmen. Nutze die interne Verlinkung, um auf hilfreiche und nützliche Zusatzinformationen hinzuweisen.
Relaunch mit Plan: SEO von Anfang an richtig umgesetzt
1. Ist-Analyse und Zieldefinition
Prüfe deine aktuellen Inhalte. Lege konkrete Ziele fest. Nutze den Screaming Frog und die Google Search Console zur Fehleranalyse.
2. Markt- und Wettbewerbsanalyse
Schau dir an, was deine Mitbewerber gut machen. Nutze diese Erkenntnisse für deine Strategie.
3. Anforderungskatalog erstellen
Liste alle Funktionen auf. Beschreibe deine Zielgruppe genau. Das hilft beim Texten und beim Aufbau.
4. Kommunikationsplan und Projektstruktur
Kläre die Rollen für Texte und Design. Erstelle eine Übersicht mit Aufgaben und Terminen.
5. Technologie- und Toolauswahl
Wähle dein CMS und Analyse-Tools wie Google Analytics (GA4) sorgfältig aus.
6. Content prüfen und planen
Was übernimmst du? Ein Content Audit hilft dir bei dieser Entscheidung. Prüfe deine Keyword Rankings. Welche Suchfragen (nicht nur Worte) oder Themen fehlen?
7. Website-Struktur und Navigation
Plane eine intuitive Navigation. Der Besucher muss jederzeit wissen, wo er sich befindet.
8. Design und Entwicklung
Die Webdesigner erstellen in der Regel zuerst Mockups deiner Website. Gib das Design erst nach gründlicher Prüfung frei bzw. kommuniziere frühzeitig und klar, was dir nicht gefällt oder fehlt.
9. Inhalte übertragen und optimieren
Übertrage Texte und Bilder sauber. Nutze KI-Tools für neue Entwürfe, aber immer mit sorgfältigem Prompting (Zielgruppe, tone-of-voice, Zielsetzung, Suchbegriffe etc.) und prüfe alle Fakten.
10. Pre-Launch SEO-Check
Das ist der wichtigste technische Schritt.
- Setze 301-Weiterleitungen für alle alten URLs.
- Prüfe die robots.txt, die XML-Sitemap und die Canonicals.
- Teste dein Tracking (GA4).
Hol dir hierfür gern Unterstützung von einem Experten.
11. Website live stellen
Wähle einen Werktag für den Start. Teste Formulare und Warenkörbe sofort nach dem Go-live.
12. Monitoring und Nachbereitung
Behalte die Google Search Console im Blick. Schaue hier am besten für 4 bis 8 Wochen mehrmals pro Woche nach, ob sich Auffälligkeiten/Fehler zeigen. Werte nach einigen Wochen die Daten aus Google Analytics aus.
Eine neue Website ist ein anspruchsvolles Projekt, dem auch genügend Zeit und Ressourcen eingeräumt werden sollten. Arbeite aktiv an der Gestaltung und den Inhalten deiner Website mit, denn du kennst deine potentiellen Kund:innen am besten. Und diese sollen sich auf deiner Website schließlich gut zurechtfinden und interagieren können. Kürze aber auch Inhalte ohne Mehrwert und sei offen für Neues. Wenn du diesen Plan durchgehst, vermeidest du typische Fehler und sparst Zeit. Deine neue Website steht damit auf einem soliden Fundament – für gute Sichtbarkeit und zufriedene Besucher:innen.
Hinweis: Der usrsprüngliche Beitrag stammt aus dem Jahr 2022 und wurde 2024 und 2025 aktualisiert.
